Auf dieser Seite legen wir laiengerecht dar, auf was man beim Kauf eines günstigen Velos achten muss.

Seit der Jahrtausendwende gibt es immer mehr Velos auf dem Markt mit sehr tiefen Preisen. Dieser Trend hat sich extrem verstärkt seit die Elektro-Grosshändler sich auch ein Stück des Velo Kuchens abschneiden möchten.

Ein günstiges Velo, kein billiges.

Viele fragen sich, wo ist da der Haken? Und tatsächlich bringen Kunden immer wieder Billigware, die sie irgendwo im Internet bestellt haben, zu uns in den Laden in Münchenstein und sind auf unsere Hilfe angewiesen. Das bedeutet nicht, dass automatisch Günstig = Billig! Wir von Loris Velos haben auch günstige Velos im Sortiment mit unseren Gangurrus und haben hier keine Probleme.

Natürlich, es hat einen Grund wieso das 400 Franken Velo weniger kostet als das 3000 Franken Velo. Für viele wäre das 3000 Franken Velo aber genau so ein unpassender Kauf wie umgekehrt. Entscheidend ist, dass du verstehst was du benötigst, und diese Bedürfnisse mit deinem Bike abdeckst.

1. Dein Velo-Profil

Bevor wir über das Velo reden, müssen wir kurz über dich sprechen. Was sind deine Erwartungen? Fährst du gerne schnell oder eher gemütlich? Bist du bereit dein Velo regelmässig selber zu pflegen? Hast du einen Velo-Raum oder steht es im Regen?

Wichtig: Du musst verstehen, dass es beim Velokauf oft kein richtig oder falsch, besser oder schlechter gibt - sondern oft einfach ein "anders". Z.B. wird man mit den breiten Pneus eines Mountainbikes auf der Strasse von der Reibung regelrecht gebremst - aber wäre mit einem schmalen Rennvelopneu auf dem Feldweg völlig verloren.

Damit du dir bei den folgenden Punkten eine neutrale Meinung bilden kannst, solltest du dir die Antworten zu den obengenannten Fragen kurz überlegen. Dabei solltest du primär überlegen, was der Haupteinsatz für dein Velo sein wird im "alltäglichen" Betrieb.

Sei ehrlich mit dir, besonders bezüglich deiner Bereitschaft das Velo zu pflegen, damit ihr beide langfristig happy bleiben könnt!

2. Der Velo-Typ

Der Velo-Typ ist meistens in der Kategorie erkennbar, der das Velo zugeordnet ist. Beispiele sind Mountainbike, Rennvelo oder Hollandrad. Jeder Velo-Typ hat seine eigene Sitzhaltung, diese reicht von kerzengerade (Hollandrad, Bild) über angeneigt (MTB) bis nahezu liegend (Rennvelo).

Die Haltung wirkt sich substanziell auf das Fahrerlebnis aus, denn mit einer anderen Sitzposition benutzt du andere Muskeln beim Trampen. Beim Hollandrad hast du eine super bequeme, kerzengrade Sitzhaltung, die ideal ist für kurze Strecken (5 –-15min pro Weg), dafür arbeitest du praktisch ausschliesslich aus den Oberschenkeln und bist voll im Gegenwind. Beim Rennvelo arbeitet der Rumpf mit, was zusätzliche Power freischaltet, dafür ist die flache Haltung für viele schlicht unbequem.

Wenn du gerne gemütlich fährst wird dir eine aufrechte Haltung gefallen. Wenn du schnell frustriert bist, weil es nicht vorwärts geht, solltest du nach etwas sportlichem Ausschau halten.

3. Technik

Das Velo ist ein mechanisches Gefährt und entsprechend könnte man ganze Romane füllen über alles von der Speichendicke über das Tretlager bis hin zum Steuersatz. Ein Buch, das aber nur interessant wäre für Veloläden und die zwei Velo Nerds die sonst nichts besseres zu tun haben.

Für die Entscheidung für oder gegen ein günstiges Velo reicht ein grobes Verständnis über die folgenden drei Bereiche:

Antrieb

Wenn du ein Fixie (1-Gang-Velo) suchst, kannst du diesen Bereich überspringen.

Der Antrieb ist das Herzstück des Velos und sollte entsprechend sorgfältig ausgewählt werden. Als allgemeine Regel kannst du dir merken: Im Günstigbereich nur Schaltungen von Shimano vertrauen & kein Modell mit farbigen Rollen am Wechsel (das Teil, welches die Kette hinten führt). In der hügligen Schweiz raten wir zudem stark von 3-Gang Naben ab, mindestens 7+ Gänge werden empfohlen. Der Rest ist bei den preiswerten Velos werden zwei Typen verbaut:

Kassettenschaltung: Der bekannteste Typ, bei dem die Kette beim Schalten hinten zwischen verschiedenen Zahnrädern wechselt. Kann auch vorne mehrere Zahnkränze haben (zum Beispiel für eine 3x8 Gang Schaltung). Für die Stadt reicht auch eine 1x7 Variante, für richtige Hänge empfehlen wir mehr.
Stärken: Gewohnt, günstig, leicht, Wartung einfach verständlich.
Schwächen: Exponierte Teile (falls das Velo umfällt), mehr Wartungsaufwand, kürzere Lebensdauer.

Nabenschaltung: Bei der Nabenschaltung ist die Übersetzung in der Radmitte in der Nabe "versteckt". Damit der Gangwechsel klappt, muss man kurz aufhören zu Trampen. Hat dafür den Vorteil, dass man auch im Stehen schalten kann.
Stärken: Sehr wartungsarm und langlebig, Kette kann nicht rausfallen, Schalten im Stehen.
Schwächen: Teurer, schwerer, ungewohnter Schaltprozess, bei Defekt auf Veloladen angewiesen, in der Regel weniger Gänge.

Bremsen

Die allermeisten in der Schweiz verkauften Velos haben anständige Bremsen. Anständig bedeutet, dass man auch im Hang anhalten kann.

Dabei gibt es sicher Abstufungen und entscheidend ist hier insbesondere, was man sich gewöhnt ist. Wenn du die Leistung von XT Scheibenbremsen auf einem Profi-Mountainbike erlebt hast, kommt dir der Bremsweg einer normalen Felgenbremse ewig vor. Generell gilt: Hydraulische Bremsen sind stärker als manuelle. Darüber hinaus haben verschiedene Brems-Typen  unterschiedliche Eigenschaften, wir stellen die vier üblichen hier vor:

Felgenbremsen: Funktioniert so, dass Gummi-Klötze von beiden Seiten auf die Felge (den Metall-Ring des Rades) drücken. Ist das verbreitetste System, einfach verständlich und verursacht wenig Problem. Einfache Wartung durch Wechsel der Klötze, Leistung stark abhängig vom Material. Unterkategorien sind V-Brakes (bessere Leistung, mühsamere Wartung) und Caliper Brakes (weniger Kraft, einfachere Wartung). Im Günstigbereich wird oft Material von Promax oder Tektro verbaut, diese sind okay, aber Shimano ist zu bevorzugen.

Scheibenbremsen: Anstatt auf der Felge werden zwei Klötze auf eine schmale, sehr stabile, mit dem Rad verschraubten Scheibe gepresst. Dadurch kann die Scheibenbremse physikalisch mehr Kraft aufbringen als die Felgenbremse, für stärkere Bremsleistung. Besonders hydraulische Scheibenbremsen sind sehr leistungsstark. Finger weg von billigen manuellen Scheibenbremsen von unbekannten Herstellern. Diese führen andauernd zu Problemen. Akzeptable Hersteller: Shimano, SRAM, Avid, Magura, Tektro. Geringer Wartungsaufwand, da Klötze sehr lange halten.

Trommelbremsen: Das wartungsärmste Bremssystem, verbreitet bei hochwertigen Vintage Velos, eher selten im günstigen Preisbereich. Ähnlich der Nabenschaltung ist hier alles verschlossen und somit vor Umwelteinflüssen geschützt. Zur Wartung drückt man etwas Schmierfett in die Bremse und ist wieder bereit für viele Stopps. Sind etwas schwerer, teurer und haben weniger Bremsleistung als die beiden weiter verbreiteten Typen. Durch ihre Langlebigkeit aber eine tolle Investition.

Rücktrittbremse: Sehr verbreitet in der EU, hat sich in der Schweiz nie durchsetzen können. Anstatt mit einem Brems-Hebel am Lenker wird hier gebremst durch Rückwärtstreten der Pedale. Funktioniert, viele in der Schweiz haben aber eine Abneigung weil ungewohnt – wir eingeschlossen. Wartungsarm, keine Verschleissteile die regelmässig gewechselt werden müssen. Rücktrittbremsen gibt es nur für das Hinterrad und werden in der Regel mit einer Felgenbremse vorne kombiniert.

Licht

Viele Velos im günstigeren Preis-Segment haben gar kein Licht, davon sind wir keine Fans. Ausserdem, PSA: Lichter dürfen entgegen alltäglicher Praxis nicht blinken!

Im Schweizer Strassenverkehrsgesetz ist festgeschrieben, dass du in der Dunkelheit mit zwei am Velo befestigten starken Lichtern (vorne weiss, hinten rot) ausgestattet sein musst. Befestigt heisst nicht angeschraubt, abnehmbare Lichter sind also gestattet. Beim Licht ist entscheidend woher der Strom kommt.

Nabendynamo: Mit Abstand bestes Lichtsystem für den Alltag. Kein spürbarer Widerstand beim Fahren, nie Batterien wechseln, starke Leuchtleistung. Sehr zu empfehlen!

Radkappendynamo: Das "alte" Dynamosystem, bei der Dynamo an den Reifen drückt und so Widerstand erzeugt und umwandelt. Wir raten von diesem System entschieden ab, da es nicht nur anstrengend ist, sondern auch eine konstante Fehlerquelle.

Batterielichter fixmontiert: meist von anständiger Leuchtkraft, vergisst man nicht, zweitbeste Lösung nach dem Nabendynamo. Batteriewechsel im Winter ca 1x im Monat.

Batterie / Akkulichter abnehmbar: Stark abhängig vom Produkt. Wir empfehlen eine Mindest-Leuchtkraft von 10 Lumen für die Stadt und von 80 Lumen für dunkle, unbeleuchtete Strassen. Bei Akkulichtern zudem ein Abtausch zwischen Grösse und Akkukapazität: Je kleiner desto öfter muss man laden.

4. Montagezustand

Unserer Erfahrung nach eines der Hauptkriterien, ob ein günstiges Angebot zufriedenstellend sein kann. Leider auch eine Sau-Mode aus dem Elektronik-Versandhandel, dass Ware unkontrolliert ab Fabrik dem Kunden übergeben wird. Bei Velos ist das schlicht inakzeptabel und führt zu Defekten, Sicherheitsrisiken und am Schluss zur verfrühten Entsorgung. Viele Online-Händler empfehlen Montage durch einen Fachhändler, man merke hier eine Preisverzerrung, da eine solche Endmontage gut CHF100 kostet. Oft braucht man zudem Spezialwerkzeug zur Einstellung von Lagern oder Begradigung von 8ern, welches die wenigsten zuhause herumliegen haben.

Bei uns zum Beispiel werden alle Velos ausnahmslos vor Versand ausgepackt, eingestellt und kontrolliert. Wird ein teilmontierter Versand gewünscht, legen wir immer eine selbstgemachte Anleitung mit Bildern bei, damit der grösste Laie mit zwei linken Händen die Endmontage easy zuhause vornehmen kann.

 

5. Wartung

Pflege braucht jedes Velo, aber bei günstigen Velos muss man es auch wirklich machen. Bei unserer Budgetmarke Gangurru empfehlen/befehlen wir unseren KundInnen 10 Minuten pro Monat in den Unterhalt des Velos zu stecken. In diesen 10 Minuten pumpst du die Räder, gehst mit einem Lappen über den Rahmen und trägst etwas Kettenöl auf.

Die Faustregel ist wie folgt: Je teurer das Material, desto mehr verzeiht es einem, wenn man es nicht macht. Im Umkehrschluss wird günstiges Material, insbesondere Ketten, durch mangelnden Unterhalt schnell Schaden nehmen. Günstige Ketten setzen zum Beispiel bei Nässe gerne Flugrost an - dies kann durch regelmässiges Ölen komplett vermieden werden.

Ausserdem gehören günstige Velos auf jeden Fall 1x pro Jahr in den Service (für alle Velos zu empfehlen), um einen langfristigen Einsatz sicherzustellen. Dadurch kann die Lebensdauer der Velos vervielfacht werden!

Fazit

Zuerst muss man sich bewusst werden, wofür das Velo wirklich gebraucht wird und wieviel man bereit ist selber Wartung zu betreiben. Hat man sich diesbezüglich festgelegt, braucht es ein gewisses Grundverständis, was das ganze Velochinesisch bedeutet, um zu verstehen welches Angebot deine Anforderungen deckt.

Schlussendlich ist ein Velokauf etwa wie eine Mathematikaufgabe, bei der man auf X auflöst: Die Anforderungen sind bekannt und mit der richtigen Formel kann die Gleichung aufgelöst werden. Das kann etwas anstrengend sein, viele mögen Algebra nicht. Aber die gute Nachricht ist, dass man diese Überlegungen im Erfolgsfall nur einmal alle 10+ Jahre machen muss.

Und in jedem Fall stehen wir für eine ausführliche Beratung jederzeit für Sie zur Verfügung.